Biologie und Chemie für Schülerinnen und Schüler am Gymnasium


Tautropfen auf Lupinien Chemie + Biologie = Wissen

Frag Deinen Biologielehrer!

Biologie - Sekundarstufe I

Klassenstufe 9


1. Anatomie und Physiologie der Samenpflanzen


Die Ordnung der Vielfalt im Pflanzenreich
  1. Steckbriefe von Pflanzen
  2. Der Begriff: "Art" einer Pflanze
  3. Einordnung von Organismen in das System der Lebewesen
  4. Beispiel für einen Steckbrief einer Pflanze


1. Steckbriefe von Pflanzen

Merksatz

Steckbriefe von Pflanzen stellen die wichtigsten Informationen zu einer bestimmten Pflanzenart oder Pflanzengruppe übersichtlich gegliedert zusammen.


2. Der Begriff: "Art" einer Pflanze

Merksatz

Eine Art umfasst die Gesamtheit von Individuen (Einzellebewesen), die in allen wesentlichen Merkmalen übereinstimmen, sich untereinander geschlechtlich (durch Verschmelzung von Ei- und Samenzelle) fortpflanzen und fruchtbare Nachkommen erzeugen.

Die Art ist die Grundeinheit eines Ordnungssystems. Zu ein und derselben Art rechnet man alle Pflanzen, die in ihren wesentlichen Merkmalen Artname: Heidekraut oder Besenheideübereinstimmen übereinstimmen. Meist bezeichnet man als Art die Gesamtheit all derer Pflanzen, die untereinander fruchtbare Samen und Pollen (mit vielen Ausnahmen!) erzeugen können.

Die moderne Pflanzenkunde ordnet die Pflanzen nicht nach einem oder wenigen Merkmalen, sondern unter Berücksichtigung aller bekannten Merkmale (äußere Merkmale wie z.B.: Anzahl und Farbe der Kronblätter; innere Gestalt, wie z.B.: die Anordnung des Fruchtknotens; Inhaltsstoffe, wie z.B.: Gifte).

Das Vorkommen einer Pflanzenart in einem bestimmten Gebiet hängt vor allem von den klimatischen Verhältnissen (z.B.: Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Niederschläge, Wind) dieses Gebietes ab.

Nach oben



3. Einordnung von Pflanzen in das System der Lebewesen

Blick zum Zooschaufenster des Leipziger ZoosJeder von uns ist sicherlich schon einmal in einem Zoo gewesen. Jeder beobachtet gerne die Tiere, vor einigen kann man einige Zeit verweilen. Viele Leute sind neugierig, wie das entsprechende Tier heißt und sie schauen auf das Schild, das neben dem entsprechenden Gehege steht. Man findet auf dem jeweiligen Schild nicht nur den Namen der Art des Tieres, z.B.: Steinmarder, sondern auch den so genannten Gattungs- und Familiennamen. (Gattung: Marder, Familie: Marderartige). So wird es auch mit den Pflanzen gemacht.

Um einen Überblick über die große Mannigfaltigkeit des Pflanzenreichs zu erhalten, ordnet man die Pflanzen und fasst die dabei gebildeten Gruppen nach ihren mehr oder weniger gemeinsamen Merkmalen zusammen. Es entsteht so ein Pflanzensystem aus Gruppen verschiedener, einander fortlaufend übergeordneter Rangstufen.
Dabei ist die Art einer Pflanze die Grundeinheit des Systems. Zu ein und derselben Art rechnet man alle Pflanzen, die in ihren wesentlichen Merkmalen weitestgehend übereinstimmen.

Schöne Landschaft bei Bad KösenVerschiedene Pflanzenarten, die in vielen Merkmalen einander ähnlich sind, werden zu einer Gattung zusammengefasst. Gattungen von Pflanzen, die sich wieder in bestimmten Merkmalen ähneln, bilden eine Familie, ähnliche Pflanzenfamilien eine Ordnung, ähnliche Ordnungen eine Klasse, ähnliche Klassen eine Abteilung. Jede Pflanzenart hat nun einen lateinischen Namen. Dieser lateinische Name ist international bekannt. In den einzelnen Ländern dieser Erde sind für Pflanzen jedoch auch mehrere Synonyme (gleichbedeutende Namen) in der jeweiligen Landessprache in Gebrauch gekommen.

Jeder lateinische Artname besteht aus zwei Worten. Dies wird als binäre Nomenklatur bezeichnet, die 1753 von Carl Linnaeus (bedeutender Biologe1707 - 1778) eingeführt wurde. Das erste Wort ist der Gattungsname, das zweite Wort das Artepitheton, das heißt, der die Art bestimmende Zusatz zum Gattungsnamen. Der Gattungsname wird stets mit einem Großbuchstaben begonnen, für das Artepitheton wird konsequent die Kleinschreibung angewendet. Hinter jedem lateinischen Namen stehen ein (oder mehrere) Personennamen, oft in abgekürzter Form und immer mit Großbuchstaben geschrieben. Dies ist der Name des Autors, der als erster die Pflanze benannt hat.

Wir finden hier zum Beispiel:

Abkürzung Name und Lebzeiten des Autors, der als erster die Pflanze bestimmt hat Beispiel für die Benennung einer Pflanzenart mit doppeltem lateinischen Namen und Autor
(in Klammern steht der deutsche Name der Pflanze)
L. C. Linnaeus (1707 - 1778) Salix babylonica L. (Trauer-Weide)
WILLD. C.L. Willdenow (1765 - 1812) Salix acutifolia WILLD. (Spitzblättrige Weide)
SCOP. G.A. Scopoli (1723 - 1788) Salix eleagnos SCOP. (Lavendel-Weide)

Schauen wir an, wie die Pflanze: "Herbst-Zeitlose" in das System der Pflanzen eingeordnet wird:

Art: Herbst-Zeitlose oder Herbstzeitlose (das ist der deutsche Artname)
Diese Pflanze ist auch bekannt unter folgenden deutschen Artnamen:
Giftkrokus, Herbstvergessene, Herbstlilie, Wintersafran, Michelsblume, Winterhauch (das sind die deutschen Synonyme)

Die wissenschaftliche Bezeichnung und Einordnung der Herbst-Zeitlose in das System der Pflanzen:

Art: Colchicum autumnale L.
(das ist der doppelte lateinische Name der Herbst-Zeitlosen, der Autor ist Carl Linnaeus)
Gattung: Zeitlose (deutscher Gattungsname)
Colchicum (lateinischer Gattungsname)
Familie: Liliengewächse (deutscher Familienname)
Liliaceae (lateinischer Familienname)
Ordnung: Lilienartige (deutscher Ordnungsname)
Liliales (lateinischer Ordnungsname)

Zu dieser Ordnung gehören z.B. folgende Familien: die Liliengewächse, die Amaryllisgewächse, die Schwertliliengewächse
Klasse: Einkeimblättrige (deutscher Bezeichnung)
Monocotyledoneae (eine andere Klasse sind die Zweikeimblättrigen)
Abteilung: Bedecktsamer (deutscher Bezeichnung)
Angiospermae (andere Abteilungen sind z.B.: Farnpflanzen, Nacktsamer)

Nach oben



4. Beispiel für einen Steckbrief einer Pflanze

Merksatz

Steckbriefe von Pflanzen stellen die wichtigsten Informationen zu einer bestimmten Pflanzenart oder Pflanzengruppe übersichtlich gegliedert zusammen.

Herbst-Zeitlose oder Herbstzeitlose

Artname: Herbst-Zeitlose, Colchicum autumnale L.
Familie: Liliengewächse - Liliaceae

1. Aussehen:

Größe: Blüten: 5-20 cm, Pflanze bis 40 cm.

Blüte und Frucht:

  • rosa bis violette, aus sechs Kronblättern bestehende Blüten, 9-10 Blüten einzeln oder zu zweien
  • Blütezeit ist zwischen August und Oktober
  • Bei der Frucht handelt es sich um eine längliche, anfangs grüne später braune, runzlige Kapsel, die schwarze Samen mit einem weißen, klebrigen Anhängsel beinhaltet, das die Verbreitung durch Ameisen gewährleistet.

Blätter:

  • breitlanzettliche, tulpenartige Laubblätter, sie erscheinen zusammen mit den Früchten erst im nächsten Frühjahr

Wurzel:

  • tief im Boden ruhende Knolle

2. Standort und Verbreitung:

  • Die Pflanze wächst auf feuchten Wiesen und Weiden. Sie hat ihr Verbreitungsgebiet in Mittel-, West- und Südeuropa.
  • Sie wächst aber auch als Zuchtform im Garten.

3. Besonderheiten:

  • Frische Knollen oder die reifen Samen wirken als ausgezeichnetes Gicht- und Rheumamittel. Sie wirken harntreibend und sind in starker Verdünnung wirksam bei hartnäckigen Durchfällen.

Aber! Die Knolle der Herbst-Zeitlosen kann mit der Küchenzwiebel verwechselt werdenDie Herbstzeitlosen enthält das Gift Colchicin (ein Zellgift). Vergiftungen entstehen durch Verwechslung der Blätter der Herbstzeitlosen mit dem Bärlauch oder der Zwiebelknolle der Herbstzeitlosen mit der Küchenzwiebel.


Erst im April 2009 ist ein 70-jähriger Bärlauch - Sammler bei Freising an den Folgen einer Vergiftung mit Blättern der Herbstzeitlosen gestorben. Der Mann hatte große Mengen der giftigen Blätter der Herbstzeitlosen verzehrt.
(Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 22.04.2009, S.31)


Deshalb:
Schaue dir jede Wildpflanze genau vor dem Verzehr an. Kennst du sie nicht genau, dann lass die Finger davon und die Pflanze dort, wo sie steht.

violette, aus sechs Kronblättern bestehende Blüten der Herbst - Zeitlosen

Herbst-Zeitlose

 

Nach oben